Nationales
- brigittekoehnlein1
- 3. Sept.
- 2 Min. Lesezeit

Am Eingang des Nationalmuseums von Tansania begegnet einem zuerst einmal China: Mit Unterstützung der chinesischen Botschaft wird eine Ausstellung aus Anlass des 80. Jahrestags des Sieges der Chinesischen Wiederstandtruppen gegen die japanischen Besatzer gezeigt. Darauf wird mit einem etwas überdimensionierten Plakat hingewiesen. Gezeigt werden Fotos aus der Zeit des Krieges, die dazu gehörigen Erklärungen sind erstaunlicherweise nur auf Englisch und nicht in der Landessprache Suaheli. Jeder Texte beginnt mit den Worten: „This file picture shows... „
So weit erst mal wenig tansanisch. Im Innenhof dann – schon tansanischer - ein beeindruckender riesiger Baum, der darunter stehender grüne Plastikmülleimer will zu diesem majestätischen Anblick nicht passen. Auch kommt man an einer Parade von Oldtimer-Autos vorbei, die wichtige Leute wie„Julius Kambarare Nyerere, Father of the Nation“ oder auch der britische König einmal gefahren haben und die hier unter einem Dach vor sich hinrosten. Dahinter etwas unmotiviert die Skulptur eines Dinosauriers aus Schrott. Auch ein Ort des Gedenkens an den Anschlag auf die US-Botschaft in Dar es Salam im Jahr 1998 findet sich hier. Das alte, historische Gebäude- während der englischen Kolonialzeit als Memorial für George V. errichtet, ist wegen Renovierung geschlossen.
Im ersten Stock des moderneren Rundbaus dann die eigentliche Ausstellung. Dort finden auch irgendwelche Events statt und junge Leute essen gemeinsam an langen Tischen auf der Galerie. Man fühlt sich wie ein Eindringling, von irgendwoher kommt Chormusik. Etwas angegilbte Stellwände erzählen uns von denn besonderen Beziehungen zwischen Tansania und den USA – begründet durch eine persönliche Freundschaft zwischen Nyerere und Robert F. Kennedy. Wie es darum wohl heute steht?
In den Ausstellungsräumen dann Gegenstände und Fotos aus der Geschichte Tansanias, dominierend dabei zu aller erst die Zeit der Sklaverei. Hier dominiert eine Skulptur aus drei aneinander geketteten Versklavten in Lebensgröße in der Mitte des Raums, alle rechten Arme fehlen und man sieht: Die Skulptur ist aus Pappmaché. Dann die Zeit der Befreiung und Unabhängigkeit – hier fast ausschließlich Bilder von Mwalimu (d.h. Lehrer) Julius Kambarare Nyerere, Father of the Nation, wie es stets vollständig heißen muss.
Weitere Puzzleteile des Museums: Ein Raum mit Werken tansanischer Künstler und eine moderne Ausstellung über Afrika als die Wiege der Menschheit, gesponsert von den Spaniern. Hier ist alles neu und unverstaubt, es wird plötzlich sehr viel museumspädagogisch versiert erklärt und nicht nur gezeigt, das wirkt irgendwie unpassend.
Insgesamt weiß man nach dem Besuch zwar nicht viel mehr über die tansanische Nation, aber man hat sich nicht gelangweilt. BK




Kommentare