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Challenges

  • brigittekoehnlein1
  • 18. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

„We are facing some challenges...“, so heißt es hier beschönigend auf englisch, wenn irgendetwas ganz und gar nicht funktioniert, schief geht oder zu scheitern droht. And we do: Es fing damit an, dass wir am Abend nach einem Restaurantbesuch nach Hause zurückkamen und ein Ratte im Wohnzimmer trafen. Die hat uns zum Glück inzwischen freiwillig wieder verlassen, aber schön war der Besuch nicht... Am nächsten Tag radele ich fröhlich von einer Fotoexkursion zu einem meiner Lieblingsorte in Masaki zurück nach Haus, dafür muss ich weniger als hundert Meter auf einer der Hauptstraßen fahren, ich tue das natürlich so weit links, wie es nur irgend geht, ohne im Staub neben der Straße zu landen. Und trotzdem werde ich von einem Bajaji von hinten angefahren und vom Fahrrad geworfen. Die Sache ist zwar gut ausgegangen, nur blaue Flecken und Schrammen, aber schön war auch das nicht. Dafür konnte ich aber eine – so meine ich – typisch tansanische (oder afrikanische?) Art des Umgangs mit Notfällen im Alltag erleben, wie wir sie auch schon in anderen Fällen beobachtet haben.


Sofort nach dem Ereignis sammelt sich eine Gruppe von Herren, die miteinander diskutieren, was nun zu tun ist und auch gleich tatkräftig anpacken. Einer rettet meine Brille, einer richtet mein Fahrrad auf, einer spricht mit dem Unfallverursacher (der hat tatsächlich angehalten), zwei wollen mich auf die Beine stellen (Das wollte ich verhindern, denn ich hatte Angst vor einem Rückenschaden. Auf mein „Do NOT touch me!“, möglicherweise ohne „please“, erklärten mir dann „Madam, we want to help you“. Bestimmt meinten Sie, ich hätte Angst vor Afrikanern. Das ist mir immer noch peinlich). Dann wird beraten, was nun passieren muss: Krankenwagen? Ich werde befragt – einer, der sich als Mitarbeiter der benachbarten internationalen Schule vorstellt und gut englisch kann, übernimmt die Kommunikation - und kann inzwischen verneinen. Also, nach Hause gebracht werden soll ich. Der Unfallverursacher wird verdonnert, das zu tun, ein weiterer Helfer dazu bestimmt, mit meinem etwas ramponierten Fahrrad hinterherzufahren. Alles weitere soll ich dann mit dem Unfallverursacher besprechen. So ist die von den Zeugen gefundene Lösung. Als ich etwas unsicher reagiere, wird mir versichert, es sei alles klar, der Bajaji-Fahrer sei schuld und man habe das gesehen. Er ist also – so verstehe ich das – nach allgemeiner Auffassung verpflichtet, zu versuchen, das Ganze so gut es geht ordentlich wieder gutzumachen. Der Gruppendruck wird im Zweifel sicherstellen, dass es das wirklich tut. Eine Polizei braucht man dafür nicht, wer weiß, was denen einfiele.


Und so passiert es auch: Ich werde nach Hause gefahren, der Bajaji-Fahrer zahlt den Fahrradhelfer für seine Unterstützung, gibt mir Namen und Telefonnummer und bringt – wie besprochen – mein Fahrrad noch am gleichen Tag repariert zurück. Mir scheint sogar, es rollt besser als zuvor. Und ich bin nicht nur grün und blau, sondern auch beeindruckt. (BK)


 
 
 

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6 Kommentare


Gast
19. Jan.

Liebe Brigitte, sollen wir dir einen Helm schicken? Du klingst unverdrossen - genese gut. Liebe Grüße,Ina


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Gast
19. Jan.

Gute Besserung!!!


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Gast
18. Jan.

Liebe Brigitte, vielen Dank für Deinen anschaulichen Bericht aus der Lebenswelt Tansanias - und vor allem Dir gute Besserung! Die "Challenges" haben mich an die Redensart "There is a problem" in Indien erinnert, die dort allerdings höflich umschreibt, dass das Ganze ganz bestimmt nicht klappt.

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Gast
19. Jan.
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Lieber Gast, vielen Dank für die guten Wünsche. Ich kenne das aus anderen Weltgegenden als "No hay problema", also "Kein Problem". Wenn das jemand in Cuba sagt, dann musst Du mit Schwierigkeiten rechnen....


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Gast
18. Jan.

Eine schöne Geschichte, auch wenn der Anlass weniger schön ist. Dir gute Besserung!

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Gast
19. Jan.
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Danke! Ich hab Glück gehabt, ist alles nicht so schlimm...


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