Verpackungsfragen
- brigittekoehnlein1
- 7. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Plastiktüten sind in Tansania verboten. Gleich im Flughafen wird man begrüßt mit dem Hinweis, dass sie weder eingeführt noch benutzt werden dürfen, und zwar ohne Ausnahme. Und dass wir durch die Befolgung der Regel gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeiten oder so. Und tatsächlich wagt es fast niemand, vom Supermarkt bis zum Obststand am Straßenrand, dir die Ware im Kunststoffbeutel zu reichen. Allgegenwärtig sind dafür etwas kräftigere Taschen aus einen seltsamen Gewebe, von dem meine Mitautorin sagt, es sei wohl aus Zellstoff.
Zugleich gilt unumstößlich die Konvention, dass jeder Artikel, auch wenn er noch so handlich ist und einzeln erworben wird, eine Außenverpackung braucht. Sei es ein Apfel, Kaugummi von der Tankstelle, 2 kleine Batterien im Plastik(!)pack, eine Flasche Serengeti Lager oder eine Schachtel Immodium. In diesen Fällen ist eine braune Papiertüte das Mittel der Wahl, es gibt sie für alles in der passenden Größe. Wer eine Tasche dabei hat, muss sich gegen die Papiertüte nachdrücklich wehren, oftmals ohne Erfolg. Sparsame Händler fertigen diese Tüten selbst aus Resten, etwa aus Kalenderbättern abgelaufener Jahre. 2 Stücke ausschneiden und an 3 Seiten tackern oder kleben: fertig ist ein vorbildliches Stück Kreislaufwirtschaft.
Ein Riesenhaufen Plastikfolie ist jedoch angefallen, als ich die bescheidene Grundausstattung unserer nur mit Möbeln versehenen Wohnung gekauft habe: Töpfe und Teller, Tassen und Löffel, einen Toaster, ein paar Kleiderbügel, eine Klobürste, natürlich alles Made in China. Der ganze billige Kram, der die großen Allzweckläden füllt und dutzende von traurigen Malls, stets mit verspiegelten Glasfassaden und meist durch und durch chinesisch – alles dort ist in Plastik eingeschweißt, im Karton einzeln verbeutelt und außenrum nochmal mit Folie überzogen – so kennt man es ja auch daheim von Ikea und anderen.
Und dann sind da noch die gewaltig großen, halb transparenten Plastiksäcke, in denen die unzähligen Plastik-Getränkeflaschen gesammelt werden, die der tropische Alltag pausenlos ausstößt. Das Volumen jedes dieser Säcke entspricht einem halbwüchsigen Elefanten, ich sehe sie in Zwischenlagern am Straßenrand oder auf einem der wackeren Mopeds, denen hier keine Last zu groß oder zu unförmig ist.
Einzeln liegen diese Flaschen natürlich überall herum, und vom Austrinker vorsortiert werden sie nirgends, auch nicht in unserem Apartmenthaus, wo das vollkommen mühelos möglich wäre. Also sind es die stets gut gelaunten Müllkutscher, die sie Stück für Stück aus dem fauligen Hausmüll herausklauben müssen. Jeweils rd. 10 Mann auf einem offenen Kipplaster, den man schon lange riecht bevor man ihn heranrollen sieht. Um die Flaschen im öffentlichen Raum kümmern sich wie überall in Afrika die Sammler; wieviel sie damit am Tag verdienen können, wage ich nicht zu schätzen. Nur die Flaschen im Meer bleiben erst einmal, wo sie sind - und an Land bleibt alles liegen, was keine Plastikflasche ist, deren bunte Deckel nicht zuletzt.
Also: Plastiktüten braucht man nicht – auch ohne sie gelingt es ganz leicht, den urbanen Raum gründlich zu vermüllen. Und ein Tütenverbot ist noch lange keine Ökowende, wie in D-Land, so auch hier. Aber ein kleiner Fortschritt ist es doch, denn sonst sähe es noch schlimmer aus. (HW)





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