Eine lokale Kulturinstitution
Aktualisiert: 31. März
Versteckt hinter dem großen und recht hässlichen Parkplatz des Casinos in indischen Viertel liegt eine bei Einheimischen und Expats gleichermaßen beliebte lokale Kulturinstitution: Die Alliance Francaise. Ich vermute, ihr Erfolg gründet sich darauf, dass sie sich nicht auf das Verbreiten der französischen Sprache und Kultur beschränkt, sondern bemerkenswert offen ist und vielfältig.
Hier kann man also nicht nur Französisch lernen, was ja zu erwarten ist, sondern auch Deutsch und Suaheli – Unterrichtssprache Englisch. In meinem Sprachkurs sind daher nicht nur zwei Franzosen, sondern neben mir auch eine Inderin, eine Kanadierin und ein Italiener. Auf der Terrasse im ersten Stock sitzen den ganzen Tag Lerngruppen aus überwiegend einheimische jungen Leuten. Diese Terrasse ist nicht nur deshalb besonders großartig, weil hier eine sympathische Mickeymouse-Skulptur wohnt, in der Abenddämmerung kann man auch Schwärme von Flughunden ihre Runden fliegen sehen, ein beeindruckender Anblick. Die täglich geöffnete Bibliothek hat überwiegend Französischsprachiges, aber alles andere ist nicht exklusiv für Frankophone, die allgemeine Sprache ist Englisch. Jeden Mittwoch gibt es afrikanische Musik im Biergarten und die Bude ist voll. Das Essen dort ist - zumal für eine französische Institution – ausgesprochen schlecht, vielleicht gehört das auch zum Konzept? In der Galerie stellen internationale Künstler aus – aktuell zum Beispiel Jan van Esch, ein Niederländer, der sich mit der Bedeutung von Schrift auf Kleidungsstücken befasst, dafür von den hiesigen Stränden angespülte Klamotten gesammelt hat und sie in seinen Arbeiten nutzt. Bei der Ausstellungseröffnung wurde eine Tanzperformance gegeben und auch hier war die Bude voll mit Kulturvolk von hier und da – erkennbar an der extravaganten Kleidung, die in der ostafrikanischen Variante besonders farbenfroh ausfällt. Hier bei der Alliance ist also bei freiem Eintritt immer was los und sie ist deshalb auch sehr zu empfehlen.
Trotzdem wundert es mich immer noch, dass mir bei meinen Erkundigungen nach kulturellen Institutionen in Dar es Salaam immer wieder zuerst und meist auch ausschließlich diese französische Institution genannt wurde. (BK)



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