Freundliches Abschussbild
- vor 2 Tagen
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Nach Ostern habe ich noch drei letzte Arbeitstage im Büro. Am ersten davon ist gleich morgens schon wieder mein Fahrrad platt. Es ist der Vorderreifen, die Ursache kann ich nicht erkennen. Also Bajaji fahren, das werde ich ja jetzt auch nicht mehr oft tun können. Im Büro, das weiß ich schon, muss man in solchen Fällen den Mann am Tor ansprechen. (Einer der vielen, die sich freuen, wenn es mal irgend etwas zu tun gibt.) Englisch spricht oder versteht er nicht, aber ist beherzt genug, die nächstbeste arglose Passantin spontan als Dolmetscherin zu verpflichten. Also das Fahrrad, er weiß, wem er es an der nächsten Straßenkreuzung bringen muss, wo ein paar armselige Baracken und Verkaufsbuden sind.
Ok, nun muss ich das Fahrrad nur noch morgen zum Büro mitbringen, dann läuft die Sache schon.
Am anderen Tag scheint wie fast immer die Sonne, „Regenzeit“ hin oder her. Als ich fertig bin mit Frühsport und -stück, steht sie sogar schon recht hoch, das geht hier ja am Morgen sehr schnell. Das kaputte Fahrrad knapp eine halbe Stunde durch den Staub und die grelle Hitze zu schieben, ist keine verlockende Vorstellung. Also wird wieder ein Tuktuk bestellt, denn ich weiß, dass viele Fahrer offen sind für Herausforderungen. Auch dass ein Fahrgast unverhofft mit einem Rad erscheint, kann so einen nicht erschüttern. Erst recht nicht, wenn zufällig auch noch ein Kollege zur Hand ist, der beim Verladen helfen kann. Und der Fahrgast hat immerhin, sein eher symbolischer Beitrag zur Problemlösung, ein Stück Wäscheleine mitgebracht.
Sogleich wird das Fahrrad schwungvoll aufs Dach gewuchtet, allerdings ist es nicht einfach, es dort so zu positionieren, dass der Lenker nicht das Textilverdeck des Fahrzeugs durchbohrt. So herum oder umgekehrt oder noch ganz anders: Es muss ein wenig herumprobiert und dabei wie immer auch viel diskutiert werden. So dauert es ein Weilchen, bis die Ladung zwar nicht perfekt vertäut ist, aber nach Meinung der Beteiligten stabil genug. Niemand ist derweil auf die Idee gekommen, dem Fahrgast zu sagen, dass die Fahrt angesichts des Aufwands ein bisschen mehr kosten muss als die bei Bolt vorgesehenen 2000 Shilling (knapp 70 Euro-Cent). Alles geht glatt auf dem kurzen Weg und der Torhüter lässt das Bajaji gleich auf den Hof, damit es in Ruhe entladen werden kann. Einen bescheidenen Aufpreis zahle ich ganz freiwillig und dankbar. Wie verabredet übernimmt nun der Kollege vom Gate, ich erwarte, dass bald jemand ins Büro kommt um mir einen Preis für die Reparatur zu nennen. Da das nicht passiert, gehe ich 2 oder 3 Stunden später wieder zum Tor, um nachzufragen. Das erübrigt sich, denn da steht das Fahrrad ja schon mit prall gefüllten Reifen. Den Preis kann mir der Mittelsmann auf Englisch auch nicht sagen, was er stattdessen an die Wand schreibt, scheint mir 20.000 zu bedeuten. Damit bin ich sehr einverstanden und zahle sofort.
Wenig später erscheint der Türhüter dann im Büro, um mir unverhofft mein Wechselgeld zu bringen. Denn die ganze Aktion, bei der doch hoffentlich auch für ihn ein wenig abfällt, hat insgesamt nur 5 Euro gekostet. So ordentlich und effektiv kann es zugehen in Daressalam, so hilfsbereit und lösungsstark sind die einfachen Leute im Alltag oft – und tun dabei so, als sei das alles ganz selbstverständlich. Solche Erfahrungen werde ich in D-Land wohl am meisten vermissen.
PS: Am nächsten Morgen, dem letzten Arbeitstag, ist mein Fahrrad leider wieder platt – aber diesmal ist es der Hinterreifen. Natürlich wird, bevor ich das Fahrrad an den Nachbesitzer übergebe, auch das noch gelöst… (HW)




….schade, dass nun Schluss ist, aber
prima, das ihr wieder - leicht erreichbar- in HH weilt
Willkommen zurück!