Tanzanian English
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You have successfully log-in to Exim Bank!” sagt mein online banking bei jeder Nutzung – nein, mit mit der englischen Sprache ist es in Tansania auch in offizielleren Zusammenhängen oft nicht weit her. Das ist überhaupt kein Grund zur Herablassung, sondern das Ergebnis einer Erfolgsgeschichte. Der Gründungsvater der Nation stand zur Zeit der Unabhängigkeit vor der Aufgabe, eines dieser eher zufälligen Kolonialgebilde mit Hunderten von Volksgruppen und unzähligen Sprachen zu einer Nation mit Identitätsgefühl zu formen. Daher veranlasste er, dass alle Suaheli lernen mussten, eine Sprache, die für die allermeisten Landsleute nicht die Muttersprache war – und vielen von ihnen ganz fremd. Die Kampagne war erfolgreich und hatte den Nebeneffekt, dass die Kolonialsprache Englisch für die inländische Verständigung unnötig wurde. Und wer lernt schon gern mit hohem Einsatz noch eine dritte Sprache, wenn sie oder er diese Sprache nicht wirklich braucht. Dass die tansanischen Schulen für solchen Spracherwerb auch nicht der allerbeste Ort sind, kommt noch hinzu.
Die Tansanier sind nachvollziehbar stolz auf ihre afrikanische Landessprache, die ja auch ein wichtiges Stück Dekolonialisierung darstellt, nicht viele afrikanische Staaten haben die Sprache der früheren Unterdrücker so weitgehend überwunden. Allerdings habe ich den Eindruck, dass der Erfolg auch Schattenseiten hat, die Offenheit nach außen oder ein panafrikanisches Bewusstsein scheinen mir hier schwächer ausgeprägt zu sein als anderswo, die tansanische Gesellschaft wirkt eher selbstbezogen.
Und doof ist es natürlich für Zugereiste für uns, dass man sich ohne Suaheli-Kenntnisse mit vielen Leuten gar nicht und mit noch mehr Leuten nur eingeschränkt unterhalten kann. Und zugeben muss ich, dass ich darauf nicht gefasst war, denn in guter Kolonialtradition wird ja im Westen fast ganz Afrika ohne Weiteres eingeteilt in frankophone und anglophone Länder – und soviel ich wusste, gehört Tansania zu den letzteren.
Soviel zum Hintergrund, erzählen will ich aber von einer kuriosen Besonderheit in der Aussprache des tansanischen Englisch, für die ich keine Erklärung weiß. Regelmäßig wird der i-Laut am Ende von englischen Wörtern (geschrieben meist als y) verschluckt. Man lese sich so mal selbst einen beliebigen englischen Text vor, um zu ermessen, welchen erstaunlichen Effekt das hat. Bei Wörtern wie strateg(y) oder creativit(y) ist man verwirrt und stolpert beim Zuhören, in Fällen wie difficult(y) wird aus dem Nomen unversehens ein Adjektiv, was man beim Hören fälschlich für einen Grammatikfehler hält. So weit, so seltsam.
Viel erstaunlicher aber ist, dass diese i-Regel auch umgekehrt gilt: Sehr oft wird ein i am Wortende gesprochen, wo gar keins steht! Die chips (englisch für Pommes) heißes chipsi und die kleine Bestechungsgabe gifti, wodurch der Euphemismus erst richtig niedlich wird. Und mitunter tauschen im tansanisch gesprochenen Englisch die Wörter einfach die Plätze, dann wird es noch bunter: „I am Germany“, würde ich ganz ohne Größenwahn sagen, wenn jemand nach meiner Herkunft fragt, „I am coming from German“.
Und spräche jemand von einer taxi tax, dann wäre es gerade keine Steuer auf Taxis, sondern umgekehrt wohl ein Verkehrsmittel für Finanzbeamte. (HW)



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