Pemba 1: Die Insel der fliegenden Füchse
- 30. März
- 2 Min. Lesezeit
Meine letzte Dienstreise geht auf die Insel Pemba, die etwas kleinere Schwester von Zanziibar (das streng genommen gar nicht so heißt, sondern Unguja, Zanzibar ist der Oberbegriff für beide). Die Koautorin kommt mit, vor allem der sehr großen Flughunde wegen, die hier und nur hier vorkommen, zum Beispiel in einem großen Urwald, der ohnehin einen Ausflug wert zu sein scheint. Da ich unter chronischen Optimismusmangel leide, bin ich eher skeptisch, ob wir die spektakulären Tiere dort wirklich zu Gesicht bekommen.
Air Tanzania fliegt von Daressalam aus nicht oft dorthin, wir nehmen den ganz frühen Flug am Sonntagmorgen. Landung gegen 8 bei strömendem Tropenregen, für den kurzen Fußweg übers Rollfeld wird jedem Gast an der Gangway ein Schirm in die Hand gedrückt. Da wir zusammen nur heute Zeit haben für den Wald, haben wir über ein Internetportal die einzige Unterkunft im nächstgelegenen Ort Wete gebucht. Die Sharook Grand Lodge wird in unserem Reiseführer empfohlen (der allerdings nicht mehr ganz frisch ist, zugegeben) und ist nicht besonders billig, woraus wir auf einen gewissen Standard schließen zu können glauben.
Der aktuelle Betreiber Abdullah ist selbst nebst Fahrer zum bescheidenen Flughafen gekommen, um uns abzuholen wie bestellt. Er spricht gut Englisch, da er seit Jahrzehnten in Nordamerika lebt. Nun ist er eine Zeitlang in der Heimat, um sich um die Lodge zu kümmern, die früher seinem Vater gehörte. Leider, so erzählt er weiter, ist das Etablissement nach dessen Tod in falsche, nämlich untätige Hände geraten, die die Instandhaltung eher vernachlässigt hätten. Auf Nachfrage wird bestätigt, dass wir heute die einzigen Gäste sein werden, wir sind gespannt. Aber zu unserer Überraschung geht es nun zuerst einmal direkt in den Wald, der Regen hat immerhin rechtzeitig aufgehört.
2 Stunden lang führt uns ein kundiger und passionierter Guide durch den ungeheuer dichten und nassen Dschungel. Die Artenvielfalt von der Krume bis zu den himmelhohem Kronen ist enorm, allerdings sind die Vögel in solchem Dickicht meist nur zu hören. Ganz im Gegensatz zu den – Flughunden! Die hängen in Scharen von den Ästen mancher Bäume herunter und einzelne sind so nett, auch mal eine Runde zu fliegen, statt damit auf die Dunkelheit zu warten. Flying foxes werden sie auf englisch genannt, und genau so sehen sie aus, mit spitzer Schnauze und rötlichem Fell unter den riesigen Regenschirmflügeln.
Jetzt aber nach Wete, zum Einchecken. Gleich am Ortseingang bleibt das Auto stehen und wir fragen uns warum. Ach ja: Weit oben über der Kreuzung hängt eine Verkehrsampel, die einzige am Ort. Vermutlich tut sie das aus Prinzip, denn dass es genau eine in jeder noch so gottverlassenen Kleinststadt geben muss, scheint in Tanzania zu den Grundsätzen der räumlichen Entwicklung zu gehören. Ansonsten wirkt hier alles noch ärmlicher und vernachlässigter als wir es bislang anderswo gesehen haben, das scheint auch der Statistik der Entwicklungsindikatoren zu entsprechen, bei der die Insel im nationalen Vergleich ähnlich abschneidet wie in D-Land Gelsenkirchen. An der Hauptstraße steht eine Reihe von ausdrucksstark geformten Betonbauten, um 1960. Heute sind sie Fassaden tropentypisch schwarz geworden und der Verfall der Häuser ist weit fortgeschritten. Alles andere, auch der kleine traurige Hafen, wirkt von vornherein karg und ärmlich.
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