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Afrikanische Wirtschaft 1: Einzelhandel

  • brigittekoehnlein1
  • 8. Okt.
  • 2 Min. Lesezeit
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Diese Skizze knüpft an die Geschichte vom Adapter an, mit der ich erfuhr, dass Supermärkte viel zu teuer sind, da man viel preiswerter in den kleinen Verkaufsbuden im Format einer halben Garage einkauft, die das normale afrikanische Stadtbild prägen. Das verwirrt den Europäer, denn bei ihm zuhause haben die großen Märkte „auf der grünen Wiese“ (in Wahrheit auf den grauen Riesenparkplatz) die städtischen Kleinhändler im Preiskampf niedergerungen.


Aber ich glaube es stimmt: Hier sind die Supermärkte teuer, deshalb gehen normale Leute da nicht hin. Als ich ganz am Anfang nach dem nächsten Supermarkt fragte, brachte man mich zu einem Tankstellenladen. Beim zweiten Versuch schickte man mich zum Village Market, der auf den ersten Blick aussah wie halt Supermärkte aussehen. Auf den zweiten Blick der Schock. Das Angebot war stark durchsetzt von Importwaren zu hohen bis astronomischen Preisen. Ein Glas Marmelade achteinhalb Euro, das preiswerteste Olivenöl im halben Liter etwa 12. An der Kasse kommen immer nochmal 18 Prozent Steuer obendrauf. Mein schwerster Fehler war der Griff nach einem Gläschen mit Biokapern, 140 Gramm netto, dem das Preisschild fehlte. Man gönnt sich ja sonst nix, dachte ich übermütig, und soo schlimm wird es schon nicht sein - und schon war ich um gut 15 Euro ärmer.

In weiten Teilen also ein Laden für schwerreiche Snobs (wie mich, den Biokaperngourmet). Die Einkaufenden sind vielfach Ausländer, aber wohl auch die einheimische Elite. Dieser Laden ist gewiss ein Extremfall und inzwischen kenne ich auch anderes, aber durchschnittliche Einheimische trifft man dort eher nicht, statt dessen die (schmale) Mittelschicht – oder lauter Chinesen.


Grund der überraschenden Preisverhältnisse sind letztlich wohl die Kosten. Wer einen Supermarkt betreibt, gibt viel aus für Security und noch mehr für Air Condition: Die Raumtemperatur in der großen Halle des Shoppers Plaza ist so erfrischend, dass ich meine Tage ganz dort verbringen werde, wenn hier der berüchtigte Sommer beginnt. Und das passende Gebäude inkl. Parkplatz zu errichten oder zu mieten, ist in Daressalaam vermutlich teurer als in Dortmund. Der Garagenshop hingegen verursacht kaum laufende Kosten. Man braucht nur ein stabiles Rollgitter und vielleicht einen Kühlschrank. Ansonsten setzt man vorwiegend die eigene Arbeitskraft ein – bei ganz bescheidenen Gewinnerwartungen, denn für die zahllosen Ladenbetreiber gibt es im allgemeinen kaum andere Berufsmöglichkeiten. Zur Unterstützung holt man sich Verwandte oder Kumpels, die vielleicht sowieso gern und ganz umsonst im Laden herumhängen, da sie erst recht nichts Besseres zu tun haben.


Das ist das große ökonomische Drama der afrikanischen Gesellschaften, das einen durchgreifenden Fortschritt blockiert: Das Übermaß an spottbilliger und unproduktiver Arbeitskraft, die beiden Eigenschaften bedingen sich gegenseitig. Sobald mir gute oder gar realistische Ideen einfallen, wie man da raus kommen könnte, verfasse ich eine neue Folge. HW

 
 
 

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...und zwar eine Beschreibung der aktuellen Lage in Tansania. Wen das interessiert, der höre den heutigen (18.11.) Beitrag in der Deutschlandfunk Mediathek nach. Uns persönlich geht es soweit gut.

 
 
 

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