Autofreier Samstagmorgen
- brigittekoehnlein1
- 12. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Jeden Samstag zwischen sechs und neun Uhr morgens wird die Küstenstraße, die vor unserem Apartmenthaus verläuft, ein wenig weiter Richtung Innenstadt gesperrt. Auch die schicke Brücke, die den Weg über die Bucht in die Innenstadt abkürzt, eines der Prestigeprojekte des vorherigen Präsidenten Magufuli, bleibt von 6 – 9 ohne Autos, Motorräder und Bajajis.
So etwas hatte ich hier in meiner europäischen Arroganz nicht erwartet. Man stelle sich einmal vor, in Hamburg würde einmal in der Woche für ein paar Stunden die Elbchaussee gesperrt, damit da ein wenig gejoggt werden kann...
Das wäre aber sehr schön, denn so ein autofreier Samstagmorgen ist eine großartige Sache, allein schon wegen des Lärms, der einem damit einem Morgen in der Woche erspart bleibt. Denn die Sperrung vermindert den Verkehr auch vor unserer Tür schon fast vollständig. Man kann an diesem Morgen auch ungestört gehen und laufen, bis zur Brücke ist es aber zu weit. Auch deshalb brauchte ich dringend ein Fahrrad, früh losfahren muss ich allerdings, so ab acht wird es mir zu heiß für längere Strecken.
Je näher ich der Innenstadt komme, desto mehr Menschen sind unterwegs: Es wird viel gegangen und gelaufen, oft in der Welteinheitssportkleidung, aber auch Frauen mit bodenlangen schwarzen Gewändern und Kopftuch sind dabei, oft zusätzlich eine Baseballkappe auf dem Kopf. Üppige Frauen in spektakulären engen Jumpsuits sind zu sehen, einzelne Skater wuseln dazwischen herum, Kindern wird Radfahren beigebracht. Ein paar Jungs lassen sich bei Liegestützen filmen – das muss wohl auf Tiktok. Am besten aber sind die Jogging Clubs, die beim Laufen im gleichen Rhythmus einen afrikanischen Wechselgesang anstimmen. Man läuft dabei (verständlicherweise) eher langsam, hat oft einheitliche Shirts an und manchmal eine Flagge mit dem Logo des Clubs. Es gibt einen Vorsänger, die anderem singen in jeder zweiten Zeile den gleichbleibenden Refrain, das klingt erstaunlich volltönend und sehr gekonnt. In der modernen Variante wird der Vorsänger durch das Handy ersetzt, manche haben auch einen Lautsprecher dabei und singen gar nicht mehr selbst. Am meisten Spaß haben aber eindeutig die Selbstsänger: Es wird viel gelacht, gegrüßt und gerufen und man macht natürlich auch gleich einen Film mit sich selbst als Hauptdarsteller. Wo die gepostet werden, habe ich leider noch nicht gefunden. (BK)





Sehr schön, liebe Brigitte. Gern immer mal wieder solche Eindrücke - vielleicht mal von Weihnachten, wie Ihr es dort erlebt.
Joggen und Singen - was für eine tolle Kombination. Das würde ich auch gerne mal erleben, gerne auch auf der Elbchaussee oder hilfsweise um die Binnenalster🙂... Vielleicht lässt sich die Partnerschaft von Hamburg und Daressalam auch mal umdrehen, so dass wir hier von euren Erfahrungen lernen?