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Ein Fahrrad, das Käse heißt

  • brigittekoehnlein1
  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit


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Hier nun die Fortsetzung meiner Fahrradkaufgeschichte: Um die 20 Fahrräder in unterschiedlichem Zustand, ein sehr schmales Vordach, dahinter eine kleiner Werkstadtraum, im dem man sich zwischen alten Kühlschränken, Tischen und Regalen mit Fahrradteilen und Werkzeugen kaum bewegen kann - das ist der Gebrauchtfahrradhändler, bei dem ich nach meinem längeren Spaziergang durch Kariakoo angekommen bin. Die Straße hinunter gibt es noch weitere. Ein wenig verrostet an der Kette, hier und da ein klein wenig angeschlagen, aber ansonsten solide aussehend: dieses hier angebotene, aus China stammende Fahrrad finde ich interessant. Das Modell heißt seltsamerweise "Fromage". Der Kauf zieht sich länger hin, auch wenn die Preisverhandlungen nicht lange dauern: Ich akzeptiere einfach den geforderten Preis, ungefähr 40 Euro. Das bin ich gern bereit zu zahlen und das Handeln bei kleinen Preisen fällt mir ohnehin schwer. In diesem Fall auch , weil ich sehr erleichtert bin, endlich fündig geworden zu sein. Und mir will nicht recht einleuchten, warum ich hier noch ein paar Euro herausschlagen soll. Langsam will ich nämlich wieder nach Hause.


Nun muss das Rad aber noch für den Verkauf fit gemacht werden: Die drei jungen Männer, die das Geschäft betreiben, müssen sich dafür oft beraten, Austauschteile von anderen Rädern abschrauben, Schrauben und Werkzeuge im tiefsten Inneren der schlecht beleuchteten Werkstatt suchen, Probe fahren, wieder diskutieren... das dauert etwas und es ist sehr heiß. Mir wird von der nebenan gelegenen Versorgungsstelle für mobile Getränkehändler eine kalte Cola besorgt und als ich am Ende noch einen Fahrradkorb dazukaufe, da muss der Obermonteur erst mal weg. Er bittet freundlich um Verständnis, es ist Freitag und er muss zum Gebet in die Moschee, das dauere nur eine Viertelstunde. Von irgendwo erscheint ein kleiner Hocker für mich, den ich versuche, in den spärlichen Schatten zu schieben. Während der etwas länger als ein Viertelstunde dauernden Wartezeit werde ich vom Hilfsmonteur ausgefragt. Er will unbedingt einmal nach Europa und fragt mich, wieviel denn so ein Visum wohl kosten mag. Dass in Deutschland viele Leute Fahrrad fahren, findet er sehr erstaunlich. So vergeht die Zeit angenehm, auch wegen der vielen Schulkinder, die in einer langen Schlange quer vor den Fahrradgeschäft anstehen, um eine - aus meiner Sicht scheußlich schmeckende - lokale Süßigkeit zu kaufen. Sie finden mich interessant und lustig, probieren es mit englischen Grüßen und lachen sich krumm, als ich zugebe, dass ich dieses Süßzeug nicht mag.


Als der Fahrradkorb endlich montiert und das Fahrrad übergabebereit ist, stellt sich die Transportfrage. Das Fahrrad selber nach Hause zu fahren, das kommt schon wegen Entfernung und Hitze, aber besonders wegen des wilden Verkehrs nicht in Frage. Ich Ahnungslose meine zu wissen, dass ich ein Transportfahrzeug brauche, ein Taxi oder ein Bajaji mit einer Ladefläche oder Ähnliches. Das führt zu Verwirrung und Missverständnissen, die unter den mindestens fünf mich umringenden Transportanbietern und Fahrradverkäufern ausführlich, aber für mich unverständlich diskutiert werden. Am Ende schält sich eine Lösung heraus: Ich fahre mit dem Bajaji vor und ein Bodaboda-Fahrer bringt mir - wie auch immer - das Rad hinterher. Ich soll ihn anrufen, wenn ich zu Hause bin. Diese Lösung ist nicht besonders sinnvoll, wie ich später verstehe, denn man kann ungefähr alles oben oder hinten auf ein Bajaji schnallen. Das lernen wir beim Straßenkauf eines wunderbaren handgemachten und schweren Eckregals, dass der Fahrer mit Schnur auf das Dach seines altersschwachen Bajaji befestigt hat und dann gemeinsam mit uns bis zu unserer Wohnung transportiert hat. Der Bodaboda-Transport ist also überflüssig, aber man lässt mir meinen fehlgeleiteten Willen. Am Ende wird das Fahrrad tatsächlich an unserem Tor angeliefert, am Kettenschutz etwas verbogen, was Asha, unsere Türhüterin, auf einer ungefragt und beherzt durchgeführten Probefahrt gleich feststellt und moniert. Ich aber bin nur froh: Die Sache ist geschafft! (BK)

 
 
 

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...und zwar eine Beschreibung der aktuellen Lage in Tansania. Wen das interessiert, der höre den heutigen (18.11.) Beitrag in der Deutschlandfunk Mediathek nach. Uns persönlich geht es soweit gut.

 
 
 

1 Kommentar


fs
vor 4 Tagen

.... der Cliffhänger hat sich gelohnt, jetzt bin ich gespannt auf erste Fahrradberichte - bitte mit Helm und defensiv!!

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