Ich kaufe ein Fahrrad... Teil 1: Kariakoo
- brigittekoehnlein1
- 18. Nov.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen

Schon lange wollte ich ein Fahrrad haben, um nicht für jeden Kilometer auf ein Bajaji angewiesen zu sein. Und Zu-Fuß-gehen wird wegen der zunehmenden Hitze auch für kurze Strecken recht mühsam.
Hier gibt es zwei Varianten des Radfahrens: Wohlhabende, ganz überwiegend Männer, fahren früh am morgen ein paar sportliche Runden mit teuren Rennrädern in standesgemäßer Rennfahrerkleidung inklusive Helm. Folgerichtig gibt es in unserer Gegend ein Rennradgeschäft. Auch Alltagsräder sind hier häufig zu sehen: ganz und gar unschick, meist abgeschabt, manchmal auch schwer beladen mit Waren und ganz bestimmt erschwinglich, ein Helm wird dazu nie getragen.
Meine Internetrecherche nach einer Quelle für so ein gebrauchtes Normalrad war nicht besonders erfolgreich, auch wenn ich weiß, dass Fahrrad auf Swahili Beiskeli heißt. Nach einigen Anläufen fand ich einen Instagram-Account, auf dem sich Reisende enthusiastisch über den guten Service von Beto äußern, der Fahrräder für den Heimflug verpackt, Fahrräder repariert und eben auch Gebrauchtes verkauft, eine Adresse gab es auch.
Mit meinen Bajaji geriet ich unterwegs zu dieser Adresse mitten hinein in ein Gewirr von engen, holperigen und staubigen Gassen voller Menschen, Stände und Geschäfte. Ich ahnte es, ich war in Kariakoo gelandet, dem Händlerviertel von Dar es Salaam: Ungefähr 10 Blocks im Quadrat und - so heißt es - der größte Markt Afrikas. An irgendeiner Ecke, an der Google das Fahrradgeschäft anzeigte, ließ mich dann der etwas verwirrte Fahrer hinaus, er hielt diese Angabe offenbar nicht für wahrscheinlich. Ich irrte etwas herum, dann winkte mich einer der zahlreichen Ladenbesitzer heran, ein anderer holte Beto aus dem dunklen Tiefen eines Ladens: Wazungus können hier offenbar nur zu Beto wollen. Dieser, ein etwas strubbeliger, freundlicher Herr im Kaftan, sieht gleich, dass er mir nicht helfen kann. Er hat nur drei bis vier Rennräder auf Lager - beziehungsweise unter einer Pappe geschützt am Gassenrand stehen. Gebrauchte Räder für ältere weiße Damen verkauft er nicht. Er weiß aber, wo die von mir begehrte Ware verkauft wird und zeigt es mir auf Google Maps: Es geht quer durch Kariakoo 6 Blocks in die eine Richtung und dann links. Ich könne laufen, das sei nicht ganz nah, aber nicht gefährlich. Ich müsse nur auf meine Sachen aufpassen wegen der Taschendiebe. Die bedrohten hier Alle, versichert er mir, ihm sei auch schon etwas gestohlen worden. Ich glaube, er meint, ich solle nicht denken, die Gefahr betreffe nur Leute wie mich. Die gefürchteten, auf Mopeds vorbeifahrenden Diebe, die einer die Tasche entreißen, was ja Verletzungsgefahren birgt, die gebe es hier nicht. Einleuchtende Begründung: Hier kommen sie nicht schnell genug weg.
Denn die Gassen sind unglaublich voll: Mit Menschen zu Fuß, mit Handwagen, auf Fahrrädern, Boda Bodas, Bajajis mit und ohne Ladefläche, LKWs stecken mittendrin fest,
ein unglaubliches Gewusel, alles schlängelt sich zwischen den auf die Gassen herauswuchernden Verkaufsständen durch. Vor den Läden ist oft ein schmaler Betonabsatz, das hilft manchmal. Ich versuche, entschlossen und zielstrebig zu wirken, als gehöre ich hierher, denn ich falle natürlich auf wie ein sehr bunter Hund. Die Leute gucken zwar etwas erstaunt, ansonsten werde ich aber einfach zu Kenntnis genommen. Nur einigen Jugendlichen rufen mir ein freundliches „Hello, how are you?“nach. Über etwas größere Querstraßen, auf denen keine Lücke zwischen den verschiedenen Fahrzeugen zu sehen ist, komme ich durch Synchronisation mit den routinierten lokalen Fußgängern. Irgendwann gerade ich in ein Stoffstraße, unglaublich, wie viele Stoffrollen ein einzelner Mensch tragen kann. Hier wird es noch geschäftiger, die Stofftransporteure wollen offensichtlich ihre Last möglichst schnell wieder loswerden. Zwischen der 5. und 6. Querstraße finde ich sogar einen Laden mit Nähmaschinen, das Ziel für meine nächste Abenteuerreise. Jetzt aber erreiche ich erst einmal das Cluster mit Gebrauchtfahrradhändlern. (BK) (Fortsetzung folgt)




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